Nach zunehmendem politischen Druck hat der Gouverneur des US-Bundesstaates Minnesota, Tim Walz, seine Kandidatur für eine dritte Amtszeit zurückgezogen. Zu diesem Entschluss sei er über die Feiertage gekommen, hieß es in einer Pressemitteilung. Walz begründete dies damit, dass er einem politischen Wahlkampf nicht seine ganze Kraft widmen könne.
“Ich habe mich daher entschieden, aus dem Rennen auszusteigen und die Wahl anderen zu überlassen, während ich mich auf meine Arbeit konzentriere”, schrieb er. Die Entscheidung kommt nach einem Jahr, das Walz als “außerordentlich schwieriges Jahr” für seinen Bundesstaat bezeichnete. Im Juni waren zwei Politiker aus Minnesota von einem Attentäter getötet worden.
Noch im Herbst hatte Walz eine dritte Amtszeit angestrebt. Der 61-jährige Militärveteran gilt als gewerkschaftsnah und hat dazu beigetragen, eine ehrgeizige demokratische Agenda für seinen Bundesstaat zu verabschieden, unter anderem einen weitreichenden Schutz der Abtreibungsrechte und großzügige Hilfen für Familien. US-Präsident Donald Trump ist ein Gegner des Gouverneurs. Er greift ihn immer wieder mit Vorwürfen über Betrugsvorwürfe bei Kinderbetreuungsprogrammen in Minnesota an.
Betrugsvorwürfe aus der Coronazeit
Dort ist sich Walz mit dem Vorwurf konfrontiert, einige Dutzend Somalier hätten das Sozialsystem des Bundesstaates unter seiner Führung während der Coronapandemie um Hunderte Millionen Dollar betrogen. Die Aufregung um die Betrugsvorwürfe und die davon ausgelösten parteipolitischen Auseinandersetzungen machten es ihm unmöglich, während seiner Amtszeit effektiv Wahlkampf zu betreiben, schrieb Walz nun. “Jede Minute, die ich damit verbringe, meine eigenen politischen Interessen zu verteidigen, ist eine Minute, in der ich mich nicht für die Menschen in Minnesota einsetzen kann.”
Walz wurde erstmals 2018 zum Gouverneur des Bundesstaates gewählt, 2022 folgte die Wiederwahl. Bei der Präsidentenwahl 2024 war er für die Demokraten als Vizekandidat neben Kamala Harris angetreten. Beide unterlagen aber den Republikanern Trump und JD Vance. Nach seiner Niederlage schärfte Walz sein nationales Profil. Im Mai rief er die Demokraten in South Carolina dazu auf, Trump die Stirn zu bieten. “Vielleicht ist es an der Zeit, dass wir ein bisschen gemeiner werden”, sagte Walz.




